Verlagshaus im Stadtpalais - Ihr Medienpartner

Kolumnen

Meinungen zum Zeitgeschehen

 

VW-Skandal geht in die nächste Runde

Wird da aus einer Fliege ein Elefant gemacht?

 

Nennen wir mal das Problem beim Namen. Es geht um Tricksereien bei Abgastest. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn daran jetzt die Weltwirtschaft zusammenbricht, dann ist das ein fragileres Ökosystem als ein Pflanzenbiotop oder die Rheinauen.

 

Dass darüber weltweit solche Wellen geschlagen werden verwundert, wenn man bedenkt, dass nicht funktionierende Airbags, sich während der Fahrt sperrende Zündschlösser, versagende Bremssysteme zu Todesfällen geführt haben die in die Hunderte gehen, wenn nicht sogar in die Tausende. Die Strafe für 174 Toten wegen defekter Zündschlösser wurde auf 900 Millionen US-Dollar beziffert. Das nur mal am Rande. Sie haben davon nicht soviel mitbekommen? Naja, es waren ja auch nur Menschenleben und nicht etwaige Gesundheitsschäden die in 10-20 Jahren auftreten können.

 

Man fragt sich warum gerade jetzt dieser neue, ja fast schon innovative Trick des VW-Konzerns aufgedeckt wurde, da dieser ja schon 2014 bekannt war. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Markteinführung des neuen Passat in den USA und dem damit verbundenen Marktanteilgewinn des VW-Konzerns ging? Nur Spekulation, aber der Kollege Zufall ist schon merkwürdig pünktlich. Schließlich sind Betrügereien der gesamten Automobilwirtschaft doch Gang und Gebe, wenn es darum geht Verbrauchs- und Abgaswerte klein zu reden und zu minimieren. Hier eine kleine Liste der legalen Betrügereien:

 

- Leichtlauföl

  hilft den Motor „runder“ laufen zu lassen um weniger Benzin zu verbrauchen

- Klimaanlage und andere elektrische Verbraucher

  werden bei den Tests ausgeschaltet

- Spezielle Reifen

  reduzieren den Rollwiderstand

- Luftdruck

  wird auf Maximalwert erhöht um ebenfalls den Rollwiderstand zu senken

- Abstand von Bremsbelag und Bremsscheibe

  wird vergrößert um keine Reibung zu erzeugen

- Lichtmaschine

  wird deaktiviert

- Erhöhung der Umgebungstemperatur

  damit der Motor keinen Kaltstart hat

 

Wieso sind diese Tricksereien eigentlich legal, ein Eingriff ins Motormanagement nicht? Weil es ein neuer Griff in die Trickkiste ist, der bislang keinem eingefallen ist?

 

Klar ist doch, dass Testverbrauch und realer Verbrauch nicht identisch sind und der theoretisch machbare Verbrauch auch kaum erreicht werden kann.

 

Jetzt will man in Brüssel „Real Driving Emissions“ anstreben. Doch was bringt das dem Verbraucher? Rein gar nichts. Entweder es ist wieder ein Test, der mit neuen Tricks umgangen wird, oder er ist so subjektiv, dass die Ergebnisse nicht vergleichbar sind. Entscheidend für den Verbraucher sind vergleichbare Zahlen. Oder wissen sie was 80 mg/km NOx für ihre Gesundheit bedeuten und um wieviel sich die Gefahr verringert wenn die Norm bei 31 mg/km liegt?

 

Und lassen wir einmal die Kirche im Dorf. Es geht hier bei VW um 480.000 Autos in den USA, 11 Millionen weltweit.

Zum Vergleich: Im Zeitraum zwischen 2009 und 2015 (um diesen Zeitraum handelt sich der VW-Skandal) wurden rund 570 Millionen Autos an den Mann/die Frau gebracht. Wir sprechen hier also von gerade einmal 2% der verkauften Autos weltweit, die, so hat es den Anschein, allein für die Umweltverschmutzung verantwortlich sind.

 

Ich erinnere mich noch an die Zeit in meiner Jugend, als es verqualmte Gaststätten gab, der 200er Diesel von Daimler mit 60 km/h den Berg hinauf kroch und dabei vor lauter Ruß nicht zu sehen war, an gelbe Rauchschwaden, die aus den Essen kamen. Wenn man den Gesundheitsgurus glauben schenken mag, dann dürfte ich vor lauter Umweltgiften gar nicht mehr am Leben sein. Klar ist es von Nöten, dass die Umweltbelastung reduziert werden muss. Und richtig ist auch, dass es Grenzwerte dafür geben muss. Aber man darf da die Verhältnismäßigkeit nicht aus den Augen verlieren. Es wurde schon viel gemacht und es wird noch mehr gemacht werden. Aber wie momentan die Sau namens VW durch das Dorf getrieben wird ist gelinde gesagt übertrieben.

 

Nicht genug, dass die ausländische Presse sich an Negativschlagzeilen gegenseitig überbietet und endlich, weil neidgeplagt, auf die Deutsche Automobilindustrie eindrischt.

Da ist von „Inkarnation einer Form der Arroganz ‚made in Germany’“ die Rede, von „Deutsche Qualität zu fahren – das stinkt, das verschmutzt, das macht krank“. Besonders Frankreich ist brüskiert und die französische Regierung betont: „Wir sind ein europäischer Markt mit europäischen Regeln. Und die müssen eingehalten werden“. Man höre und staune: Plötzlich sind wir alle Europäer... Aber dass gerade Frankreich, das Land der Kernenergie, sich so als Umweltapostel ausgibt ist schon einen Lacher wert.

 

Die deutsche Medienlandschaft mischt dabei munter mit und es vergeht kaum ein Tag an dem nicht neue Schlagzeilen produziert werden; seien sie auch noch so unlogisch und dümmlich. Wenn VW Motoren für seine Tochterfirmen baut, wieso sollte dann nicht auch Audi, Seat oder Skoda davon betroffen sein? Aber es ist eine Schlagzeile wert und der Leser oder Zuhörer springt darauf an. Ebenso wird das Problem nicht als spezifisches Problem dargestellt, sondern als eines das die gesamte deutsche Wirtschaft betrifft. Diese Schlussfolgerung entzieht sich meiner Logik.

 

Wenn man das Schwert ansetzen möchte, dann doch bitte die gesamte Autoflotte jeder Marke auf dem Prüfstand testen und die Zahlen veröffentlichen. Und dann ist immer noch die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Umweltsünder gibt es massenhaft und weit aus schlimmere.

 

Andreas Kiefer

 

Zum Seitenanfang


 

 

VW hat beschissen

 

Ja, es stimmt. VW hat die Verbraucher an der Nase herumgeführt. Es wurde eine Software eingesetzt, welche erkennt, dass der Motor auf Schadstoffe getestet wird. Dann wird ein Programm gestartet, das den Verbrauch minimiert und bessere Daten vortäuscht. Im normalen Alltagsbetrieb sind diese Werte jedoch nicht erreichbar. Der Imageschaden ist beträchtlich, wahrscheinlich weit aus höher als die voraussichtliche Strafe im zweistelligen Milliardenbereich. Ebenso ist der Begriff „Made in Germany“ weltweit beschädigt.

Aber dennoch sollte man etwas weitsichtiger sein und nicht nur auf VW und deren Tochterfirmen schauen.

 

Hier ein paar Beispiele von Verbrauchswerten anderer Autofirmen. Wer sich die imposanten Daten und Leistungen der Motoren auf der Zunge zergehen lässt, oder sogar selbst ein solches Auto gefahren ist, der wird erkennen, dass die Verbrauchswerte unter realen Bedingungen nur sehr schwer erreichbar sind.

 

– Dodge Viper, 8,4l Hubraum, V10-Motor,645 PS, 11,2l/100km Tempo 90

– Dodge Challenger, 6,4l Hubraum V8-Motor, 485 PS, 7,8l/100km Tempo 90

– Ford Mustang, 5,2l Hubraum, V8-Motor, 429 PS, 8,4l/100km Tempo 90

 

– Porsche 911 Turbo S, 3,6l Hubraum, 6-Zyl-Boxer Motor, 560 PS, 9,7l/100km komb.

– Audi R8, 5,2l Hubraum, V10-Motor, 610 PS, 11,4l/100km komb.

 

Zum Vergleich ein Fahrzeug der VW-Dieselflotte:

– VW Touareg, 3,0l Hubraum, V6-TDI-Motor, 204 PS, 6,6l/100km komb.

 

Was bei den PKW-Herstellern als Lüge am Verbraucher angesehen wird gilt bei Smartphone-Herstellern als Normalität. Hier ist ebenfalls ein Programm installiert, welches einen Testlauf erkennt und den Prozessor genau auf diesen Test vorbereitet. Ergebnis ist, dass Smartphones ultraschnell sind, was insbesondere bei Spielen extrem wichtig ist, oder dass die Akkulaufzeit auf phantastische zwei Tage anschwillt, wo jeder doch weiß, dass spätestens am Ende des Tages das Ding an die Steckdose muss. Komisch, dass diesen Schwindel niemand aufdecken möchte, beziehungsweise diese Vorgehensweise von der Justiz geduldet wird. Ich denke jedoch nicht, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen einem weltweit größten Smartphone-Hersteller, der zufälligerweise aus Amerika stammt, und der amerikanischen Gerichtsbarkeit.

Andreas Kiefer

 

Zum Seitenanfang


 

 

Ist die EU gescheitert?

 

Wenn man die Schlagzeilen liest, die Haltungen der verschiedenen Staaten erfährt, die Uneinigkeit der Staatschefs beobachtet, dann beschleicht einen das Gefühl, dass jede Nation versucht den größtmöglichen Reibach zu machen unter der Promisse so wenig wie möglich dafür auszugeben. Oder anders gesagt: Die Rechte, die man hat, fordert man gerne ein, aber wenn es um Pflichten geht, da ist man ganz klein und versteckt sich in der hintersten Ecke oder verweist mit fadenscheinigen Argumenten auf andere.

 

Am Beispiel der Flüchtlingspolitik ist dies sehr gut zu veranschaulichen.

 

England:

England wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen Flüchtlinge überhaupt aufzunehmen. Ein Grund hierfür ist, dass es in England u.a. keine Meldepflicht besteht und somit Flüchtlinge einfach untertauchen können.

 

Slowakei:

Bis vor Kurzem wollte man nur christliche Flüchtlinge aufnehmen. Jetzt hat man auf Druck von außen versucht die Wogen zu glätten. Offiziell heißt es jetzt, dass auch Muslime einen Asylantrag stellen können. Allerdings sei es für sie nicht leicht im Land.

 

Lettland (rund 2 Mio. Ew):

Die Letten sind bereit sage und schreibe jeweils 250 Asylanten in den nächsten beiden Jahren aufzunehmen. Um diese Zahl in Relation zu stellen: Allein in Karlsruhe, mit ca. 300.000 Einwohnern, befinden sich zur Zeit ungefähr 5.000 Flüchtlinge in den Landeserstaufnahmestellen.

 

Estland (rund 1,3 Mio Ew):

In Estland will man noch weniger Flüchtlinge aufnehmen (150-200), da man „die weiße Rasse in Gefahr sieht und die Negerfrage eine Überlebensfrage für Estland bedeute“. Ich weise explizit darauf hin, dass der Begriff „Negerfrage“ zitiert wurde! Ein Kommentar hierzu erübrigt sich.

 

Ungarn:

Ungarn schiebt das Problem der Flüchtlingswelle einzig und allein auf Deutschland mit der Begründung, dass es schließlich auch Deutschland gewesen sei, die die Flüchtlinge „eingeladen“ hätte und dies somit kein europäisches, sondern ein deutsches Problem sei.

 

Einem Lösungsvorschlag der deutschen Regierung, die Flüchtlinge  über ein Quotenmodell auf die EU-Mitgliedsstaaten zu verteilen, stößt eben bei diesen Ländern auf Widerstand. Dem Modell zufolge würden Flüchtlinge nach Faktoren wie Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft entsprechend verteilt werden. Den aktuellen Flüchtlingszahlen entsprechend, würde dies eine Entlastung einiger Staaten bedeuten, darunter auch Deutschland, aber vor allem Länder wie Schweden, Österreich und, man höre uns staune, sogar Ungarn. Faktisch ist es jedoch so, dass die Dubliner Regel* aufgeweicht wurde und die freie Durchreise der Flüchtlinge nach Deutschland billigend in Kauf genommen wird, ohne diese in dem Staat zu registrieren, wo sie als erstes die EU-Außengrenze passieren.

 

Der rechte Mob versucht mit populistischen Mitteln bei den Bürgern Ängste zu schüren, die größtenteils unbegründet sind, aber dennoch auf scheinbar fruchtbaren Boden fallen. Es ist eine Mär, dass Asylanten Arbeitsplätze wegnehmen, oder mehr Zuwendungen bekommen als Hartz IV-Empfänger. Die Folgen in Deutschland sind, dass bestehende oder geplante Flüchtlingsheime fast täglich einem Brandanschlag zum Opfer fallen. Im ersten Halbjahr 2015 berichtet das Bundesinnenministerium von 202 Übergriffen, von denen 173 rechts motiviert waren.

Europa würde sich um einiges leichter tun, wenn es ein einheitliches Asylrecht gäbe, sichere Drittstaaten** einheitlich anerkannt würden und nationale Interessen nicht immer im Vordergrund stünden.

 

Wenn man einen Blick auf Europa wirft, dann sieht man einen Verbund von Staaten, der eher scheinheilig Verbundenheit vorgaukeln, im Inneren jedoch ideologisch so weit auseinander sind, dass man mit Nichten von einer gemeinsamen Politik ausgehen kann. Vor allem die relativ neu hinzugekommenen Staaten haben gerne die Vorzüge eines EU-Beitritts genossen und Gelder für den wirtschaftlichen und infrastrukturellen Aufbau genommen. Wenn es aber jetzt darum geht selbst Solidarität an den Tag zu legen, dann schieben sie die Verantwortung gerne von sich und zeigen mit Fingern auf andere Staaten, die ihrer Meinung nach die Schuld an dem Flüchtlingsproblem tragen.

 

Bislang kamen im ersten Halbjahr 2015 alleine 39% der Flüchtlinge aus sicheren Drittländern, oder solchen die geplant sind. In absoluten Zahlen waren das rund 75.000 Menschen. Könnte sich die EU darauf verständigen, dass diese Flüchtlinge, die zu über 99% keinen Anspruch auf Asyl haben wieder in ihre Heimatländer abgeschoben werden, so könnte man sich wesentlich schneller und besser um diejenigen kümmern, die echter Hilfe im Sinne des Völkerrechts bedürfen.

Darüber hinaus muss ein, unabhängig vom Asylrecht, einheitliches Einwanderungsgesetz in Europa es möglich machen, legale Einwanderung zu gewährleisten. Allerdings muss die Prüfung schon in dem Land vorgenommen werden, aus dem der Einwanderungswillige stammt und darf nicht erst vor Ort entschieden werden.

 

Wenn sich Europa nicht schnellstens in diesen Punkten einig wird und jeder Staat sich nur um seine eigenen Belange kümmert, dann ist der Zeitpunkt nicht mehr fern, dass Europa auseinander fällt wie ein trockener Marmorkuchen.

Andreas Kiefer

 

*Dublin-Regel (seit 1990, Dublin III seit 2013):

Diejenigen Länder müssen das Asylgesuch bearbeiten, in dem der Flüchtling erstmals die EU betreten hat.

 

**Sichere Drittstaaten:

Serbien, Bosnien, Mazedonien; geplant: Kosovo, Albanien, Montenegro